DER „NEUE“ MALER JAN REUDINK

Diese Bezeichnung bezieht sich auf das Werk des Malers Jan Reu-dink nach 2006. Alles, was man bisher von Jan Reudink kannte, muss man beim Betrachten seiner neuen Werke völlig hinter sich lassen. Beinah all seine neuen Arbeiten scheinen weitgehend reduziert, zu-rückgenommen, aufgelöst zu sein. All das Vorhergegangene scheint ein „Vorspiel“ gewesen zu sein. In seinen aktuellen Arbeiten finden sich sparsame, bildliche, lesbare Details. Große abstrakte Flächen, die an Polder, Gebirgszüge, Hügel, Dünen oder an das Meer erinnern. All diese Details zusammen sind der „neue“ Jan Reudink.

Möglicherweise war für Reudink der Umstand, dass er der hekti-schen niederländischen Lebensweise den Rücken gekehrt hat und sich für einen ruhigen Wohn- und Arbeitsbereich auf einer abgele-genen Alm in Kärnten (Österreich) entschieden hat, die Befreiung möglich. Der Maler ist überzeugt davon, dass ein Künstler nicht ver-pflichtet ist, am sozialen Leben teilzunehmen. Vielmehr wird sein Werk durch diese „Abwesenheit“ nicht negativ beeinflusst. Kunst entsteht nicht im Gruppenzwang. Daher entschied sich Reudink für die Einsamkeit und zog sich zurück. Seine Kunst bleibt dadurch pur und natürlich.

Beinahe jeder Künstler ist unsicher, so auch Reudink. Dennoch lässt er sich nicht bremsen, wenn er malt oder schreibt. Reudink wählt hier mutige Ausdrucksformen.

Ein wesentlicher Bestandteil im Leben des Künstlers Jan Reudink sind die Reisen, welche ihn immer wieder inspirierten und noch im-mer inspirieren. Ja, er ist sogar der Ansicht, dass die Erfahrungen, die er hierbei machte und die Bilder, die sich dabei auf seiner Netz-haut einprägten, sein künstlerisches Schaffen stark beeinflussten. Er durchquerte Sibirien, Kasachstan, Russland, die Baltischen Staa-ten, Nordamerika und Europa. Die Toskana, noch keine Eintagesreise von seinem heutigen Atelier entfernt, war seine hauptsächliche In-spirationsquelle gewesen. Die Stilrichtung der Arbeiten, die damals entstanden, nannte er selbst „Instinktiver Impressionismus mit ei-nem Hang zum Expressionismus“. Beim Betrachten der früheren Landschaftsmalereinen könnte man meinen, dass sich der Künstler überall zu Hause fühlt.  Und dennoch ist er überall fremd geblieben. Flüchtige Betrachter sehen in Reudink einen fröhlichen Menschen. Die Farbauswahl, der schwungvolle Pinselstrich, die sonnigen südli-chen Motive. Weit gefehlt. Hinter dieser Maske verbirgt sich ein warmer und tiefsinnig Mensch. Ein Suchender und Denker.

Genau darin wurzelt auch seine Kunst. Ein Reisender auf ewiger Durchreise. Melancholie, Schwermütigkeit und das Begreifen der Vergangenheit bestimmen seinen Charakter. Das sind die Grundtöne seiner Werke. Er kann nicht anders als zu malen.

Mittlerweile schätzen Kunstsammler rund um die Welt Reudinks Werke. Er stellt relativ viel aus. Seine bedeutendsten Ausstellungen fanden in Riga (Hauptstadt Lettlands) und im Stadtmuseum in Groß-Gerau (Deutschland) statt. Er arbeitet selten mit Galerien zusam-men, da er der Ansicht ist, dass der Käufer das Werk durch den Künstler selbst kennen lernen sollte. Darum ist er beim Verkauf ei-nes Bildes meist selbst dabei.

Durch die enge Zusammenarbeit mit seiner Frau, die ihn bei seiner Arbeit unterstützt und vollkommen hinter seiner Leidenschaft steht, hat er die Freiheit, optimal arbeiten zu können. Jan Reudink ist ein passionierter Künstler, für den Malen das Einzige ist, was zählt. Über sein Werk sagt er: „Ich fühle mich grundsätzlich als Autodidakt und bin der Meinung, dass ein Bild von selbst entstehen muss. Ich lasse mich durch den Kompass meiner Intuition leiten.“